Let’s talk about – Hygiene

Hygiene auf dem Trail. Was ist das? Im Grunde nicht vorhanden. Oder doch? Wenn man 50 Mitmenschen befragen würde, kämen sicher 50 Ansichten und Erklärungen dabei heraus. Und was uns als unsauber und unhygienisch erscheint, ist auf einem Fernwanderweg abseits von Alpenhütte und Co. schlichtweg normal. Und wer zart besaitet ist liest am besten gar nicht erst weiter…

5 Tage ohne Dusche. Erklärt sich von selber. 5 Tage ohne waschen. Schon eher nicht. Schnell sind gut gemeinte Ratschläge parat wie „Ja, aber ihr habt ja Wasser dabei und an Flüssen kommt ihr doch auch vorbei“. Stimmt, aber mühsam gefiltertes Trinkwasser, welches in den warmen Sommermonaten mit sinkenden Wasserquellen immer kostbarer wird, kommt da höchstens noch zum Zähne putzen an den Körper.

Und an Flüssen baden, im kalten März? Eher nicht. Höchstens vielleicht ein paar Spritzer um wach zu werden ins Gesicht. Außerdem wird aus Gründen zur Erhaltung der Wasserqualität von Bädern in Gewässern abgeraten. Und nicht vergessen: Alleine ist man auf dem AT seltenst…. Alternative: zeitig ins Camp einlaufen und die Wäsche kräftig lüften. Hilft aber auch nicht wirklich gegen Gerüche.


Was habe ich mir im Vorfeld Gedanken über Körperpflege gemacht aber nach und nach habe ich einfach der Einfachheit halber und aus Gewichtsgründen nachgegeben (da möchte ich gerne auf den Artikel „Überflüssiges“ verweisen). Nur eines hatten wir immer und ausreichend dabei: Händedesinfektion, Klopapier und Feuchttücher.
Auch wenn nichts eine schöne Dusche ersetzt, fühlt es sich dennoch nicht schlecht an, wenn man abends ins Zelt kriecht und etwas Katzenwäsche betreibt um den Schweiß des Tages abzuwischen. Denn getrockneter Schweiß kann auch zu Hautreizungen führen.
Ein weiterer Punkt, welcher mir bis zum Schluss in Amerika Bedenken bereitet hat war das Wäsche waschen. Ich wusste im Voraus schon, dass die Waschmaschinen in keinster Weise mit den deutschen Modellen mithalten können und es auch lediglich nur 3 Programme gibt: kalt, lau, und heiß. Und das Ganze aber bei einem recht großen Fassungsvermögen. Nun bin ich (und sicher auch die meisten Leser da draußen) es gewöhnt, meine Wäsche zu sortieren. Das heißt, ich käme nie auf den Gedanken, meine Unterhosen zusammen mit meinen
Merino-Shirts zu waschen. Aber was tun, wenn Kleingeld für den Waschsalon rar ist und der gesamte Wäschebestand bei weitem keine Wäscheladung füllt? Wegen zwei Unterhosen und zwei Paar Socken extra waschen? Eher nicht. Auch wenn andere Hiker einfach alles zusammen geschmissen haben, haben wir doch zumindest Unterhose und Co. vorab mit der Hand ausgewaschen. Besonders schön sah das Waschwasser der Socken dann im Sommer aus, als die Wege trocken und staubig wurden. Ich habe das einmal fotografisch festgehalten. Und bitte immer dran denken: ich hätte mich auch geekelt, wenns nicht meins gewesen wäre ;).

Und diese Brühe hätte es in der Waschmaschine dann auch durch mein Shirt und mein Bandana gespült? Nein danke….
Es soll auch Hiker geben, welche komplett auf Unterwäsche verzichten aus Gründen wie: Gewichtsersparnis, Vermeidung von Chaffing (wundscheuern durch Nähte etc.) aber ganz ehrlich, ich wasche lieber im Falle eines Falles eine Unterhose schnell mit der Hand aus als eine ganze Hose. Denn glaubt mir, spätestens am dritten Tag stinkt man wie noch nie zuvor in seinem Leben (und vermutlich danach auch nicht so schnell wieder). Das sind dann auch ganz schnell die Momente, dass man sich fragt, warum man das gleich wieder macht. Da muss man seinen Partner schon sehr lieben, wenn man ungewaschen und ein Penneraroma verbreitend eng beieinander im Zelt liegt. Andreas hat seinen Rucksack auch irgendwann nur noch liebevoll den Hobo (englisch für Landstreicher) genannt, denn auch alles um einen herum fängt zu riechen an: die Griffe der Trekkingpoles, sämtliche Gurte des Rucksacks, die Kameratasche… Und selbst wenn du den Rucksack mit in die Dusche nimmst, den Geruch kriegst du nie wieder ganz raus.
Der „Duft“ oder besser gesagt der Gestank war auch der Grund, warum unsere Wanderschuhe, obwohl durchaus noch tragbar, die Heimreise mit uns nicht mehr angetreten haben. Oder auch Andreas‘ Wandersocken. Da hat alles Waschen nichts mehr geholfen.
Ein interessantes Phänomen hat sich aber mit der Zeit eingestellt: wir konnten Tagesausflügler Kilometer gegen den Wind riechen. Einmal dachten wir, dass eine besondere Pflanze oder ein Busch blühen muss, da wir entlang des Weges immer wieder einen ganz wundervollen Geruch wahrgenommen haben. Einige Zeit später haben wir dann auch die Quelle dessen wahr genommen: zwei rastende Wanderer am Wegesrand, welche schlicht und ergreifend frisch gewaschen und gecremt waren, saubere Kleidung trugen und uns einfach ein gutes Stück voraus waren. Wir liefen sozusagen in deren Duftschatten. Ich hatte auch immer das Bedürfnis, entgegenkommenden Wanderern mitzuteilen, wie gut sie doch riechen. Ich war ja noch nie ein Freund von stark parfümierten Weichspüler und penetranten Parfums, aber seit wir aus Amerika zurück sind, hat sich das sogar noch verstärkt.
Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja. Das für uns zivilisierte Mitteleuropäer vermutlich vorstellbar Schrecklichste. Ohne eine hygienisch saubere Toilette auf die „Toilette“ gehen. Ich hätte mich vermutlich noch im Februar 2015 lauthals ausgelacht, wenn mir jemand gesagt hätte, ich würde es vorziehen, die große weite Natur aufzusuchen, als ein Privy. Alleine der Gedanke, da so „ungeschützt“ mitten im Wald die Hose runter zu lassen… Also nein, das hat mich im Vorfeld wirklich stark beschäftigt. Und dann ist man auf dem AT, macht Bekanntschaft mit den ersten Latrinen und was soll ich sagen, als (insbesondere kleine) Frau ist man es ja gewohnt, die unmöglichsten Verrenkungen zu machen, nur um keinerlei Kontakt zum versifften Abort zu bekommen. Auch wenn aus Sicht der „leave no trace“ Politik auf dem Wanderweg die Benutzung der Privies wann immer möglich empfohlen wird, ist das wilde in die Natur machen zehn mal mehr entspannter, sobald man sich einmal daran gewöhnt hat. Keine hygienisch fragwürdigen (Tür-) Griffe oder Oberflächen um sich herum und das dringende Bedürfnis, sich doppelt und dreifach die Hände desinfizieren zu müssen. Vorher und nachher… .
Gelernt habe ich auf jeden Fall, dass egal was du dir in Gedanken ausmalst, und ja, auch wenn du deine Körperhygiene betreffend an deine Grenzen stößt: Alles halb so wild. Das Leben geht weiter und die anderen Hiker haben die gleichen Probleme. Man ist immer noch die selbe Person, nur dass man sich nicht hinter schicker Kleidung, einem guten Parfum und Make-up verstecken kann.

Pro Tipp zum Schluss: Merinowolle macht wirklich den Unterschied.

Essen

Firstresupply

Viel haben wir während unserer Vorbereitung darüber gelesen und sehr habe ich mich darüber gefreut, endlich ungeniert Junk-Food und Snacks in mich hinein stopfen zu dürfen. Ganz ohne schlechtes Gewissen versteht sich. Der Körper braucht schließlich Kalorien und die soll er bitteschön auch bekommen.
Es stimmt wirklich, was man so liest. Die Gedanken kreisen ständig um Essen und Trinken und der gesamte Tagesablauf wird zum Teil um das Essen herum aufgebaut. Wie oft sind wir von einer Snackpause aufgebrochen und ich habe mich schon auf das nächste Päuschen gefreut. Wir oft habe ich von einer Apfelsaftschorle fantasiert. Was hätte ich nicht alles für frisches Obst und Gemüse gegeben. Ich habe während des Hikes sogar meine Abneigung gegen Erdnussbutter abgelegt, das sagt wohl einiges über die Genügsamkeit eines Hikers aus.
Ich kann mich noch gut an ein Gespräch in den Smoky Mountains mit BonBon, einer lieben Thru-Hikerin erinnern, in dem sie erzählte, dass der große Hiker-Hunger um die Meile 500 auftreten soll. Nun ja, das mag vermutlich ein statistischer Schnitt sein, aber ich bin bereits ab der ersten Nacht schlaflos mit knurrendem Magen im Zelt gelegen. Das hat sich aber mit der Zeit und angepasstem Speiseplan zum Glück erledigt. Während wir bei unserem ersten Einkauf in Atlanta noch recht überfordert waren, wurden auch wir mit der Zeit echte Profis, was den höchsten Kaloriengehalt pro 100 Gramm anbelangt. Ach ja: den Proteingehalt natürlich nicht zu vergessen.
So, jetzt gehts aber ans Eingemachte:

Frühstück: Während wir am Anfang noch das volle Programm mit Tee/Kakao nebst dem berühmten Oatmeal mit Chiasamen und Molkepulver hatten, haben wir recht schnell auf den Tee verzichtet (Schwarztee aus Plastiktassen schmeckt einfach nicht…), und irgendwann ist auch die Packung „Swiss Miss“-Kakao gleich mit in den Haferbrei mit eingerührt worden. Spart Zeit und Gas. Das Molkepulver kam auch immer weniger zum Einsatz, da es immer eine solch staubige und klebrige Angelegenheit war. Ist ja dann auch in einer Hikerbox gelandet. Unser Oatmeal-Favorit war dann recht schnell die Protein-Variante „Banana Nut“. War auch eine kleinere Verpackungseinheit mit 6 Päckchen statt 10, was uns natürlich gewichtstechnisch auch entgegen kam.
Da wir aber dadurch auch morgens immer abspülen mussten und Andreas das Oatmeal auch irgendwann nicht mehr sehen konnte (verstehe ich nach wie vor nicht, ich liebe Haferbrei. Am besten natürlich selbst gemacht!), gab es dann Tortilla-Wraps mit Erdnussbutter und/oder Nutella, Honeybuns (was für eine Kalorienbombe!) und Trockenobst. Um das Ganze etwas abwechslungsreicher zu gestalten, haben wir auch hin und wieder ein leeres Nutella-Glas (sind in Amerika aus Plastik) mit Marmelade befüllt und zusätzlich zu den Wraps Hot-Dog-Brötchen (schmecken leicht süß) gekauft. Die haben zwar nicht viele Kalorien, lassen sich aber dank hohem Luftgehalt prima zusammendrücken und nehmen nicht viel Platz im Rucksack weg und wiegen fast nichts. Somit hatte Andreas sein geliebtes Peanutbutter-Jelly-Frühstück. Ich habe mich morgens eher an das Nutella gehalten. Einmal sind wir während unserer ersten Woche ohne Frühstück los gelaufen und haben es sehr schnell bereut. Auch wenn es viele Mitwanderer so gehandhabt haben, wir haben morgens einfach etwas Anlaufzeit und die nötigen Kraftreserven gebraucht.

 

Snacks: Wir hatten ca. 2 bis 3 Snackpausen am Tag. Oftmals nach einer gewissen Kilometeranzahl oder an einer Wasserquelle eingeplant, aber oft kommt es ja anders als geplant. Das Wetter (zu nass, zu heiß…) und das Terrain (viele Aufstiege….) haben uns da immer mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht aber das war nicht weiter schlimm. Unsere Tagesration an Snacks hatte Andreas immer in seiner Rucksackaußentasche und hatte anfangs folgenden Inhalt: Snickers, M&Ms, Müsliriegel, Trockenobst (Kokos, Aprikosen, Bananen, Mango, Pfirsich je nach Verfügbarkeit), Macadamianüsse und Fruchtbrei aus der Tube für Kinder. Ersetzt wurde das Snickers dann ganz schnell durch die berühmten Cliffbars. Das Snickers hat einfach nicht lang genug satt gehalten und war gar nicht so viel billiger als der Cliffbar, welcher in vielen tollen Geschmacksrichtungen zu kaufen war. M&Ms haben letztendlich auch zu viel gewogen, da haben wir uns dann lieber an die Macadamianüsse gehalten. Auch wenn diese nicht ganz günstig sind, schlagen diese die M&Ms bzw. Erdnüsse was den Nährstoffgehalt anbelangt um Längen! Auch der leckere Fruchtbrei wurde nicht wieder gekauft, zu teuer und füllt den Magen nicht gut genug. Fester Bestandteil wurde dann auch der Müsliriegel „Sweet & Salty“ gab es günstig  in sämtlichen Supermärkten, hatte top-Werte und war auch noch lecker. Immer öfter fanden auch die berühmt-berüchtigten Honey-Buns den Weg in unsere Rucksäcke. Hin und wieder haben wir auch mit anderen Leckereien und Riegeln experimentiert, aber im Großen und Ganzen haben unsere Snack-Packs aus Cliffbar, Sweet&Salty, Trockenobst, Macadamias (falls verfügbar), Munchies-Käse-Cracker und Honey-Buns bestanden.
Trailmagic war natürlich ein Highlight! Insbesondere wenn es Obst gab. Ich bin immer noch gerührt von der Herzlichkeit und der Selbstlosigkeit der Trailangels. Eine eiskalte Cola und ein Apfel, Herz, was willst du mehr?

Abendessen: Vorweg ganz wichtig an alle Vegetarier da draußen: Es gibt keine einzige vegetarische Ramen-Sorte! Oftmals wurde mir die Geschmacksrichtung „Oriental“ empfohlen (sogar von einer Vegetarierin…), aber selbst hier ist Rinderextrakt enthalten. Was auch immer das sein mag…. Was war ich froh, dass ich aus Deutschland etwas Gemüsebrühe mit dabei hatte, denn, welch Wunder, auch das gibt es in Walmart und Co. nicht! Nur flüssig im Tetra-Pak. Die erste Gemüsebrühe in Würfelform habe ich in einem Bio-Supermarkt in Boston entdeckt. Da habe ich diese dann aber auch nicht mehr gebraucht…

Ganz klassisch: Kartoffelbrei (Idahoan buttery homestyle!), Knorr Pasta Side, Ramen. Hin und wieder gab es auch den Uncle Ben’s Reis, den haben wir aber immer gleich am selben Tag gegessen, da er doch recht schwer war. Die Udon-Nudeln fallen in die selbe Kategorie, haben wir auch nur einmal gekauft. Zu dem Kartoffelbrei gab es Käse am Stück (Swiss-Cheese o.ä.) und hin und wieder auch Salami für Andreas und wenn das Kochen zu lange gedauert hat, gab es als Vorspeise einen Wrap mit Erdnussbutter. Nachtisch gab es dann in Form von Honeybuns oder Trockenobst bzw. ganz ungeniert Erdnussbutter und Nutella direkt aus dem Glas.
An Gewürzen hatten wir Minisachets mit Salz und Pfeffer sowie nach Möglichkeit Majo dabei. Nachwürzen mussten wir eigentlich nur den Kartoffelbrei, für diesen war auch die Majo gedacht, hat das Ganze noch einmal kalorientechnisch aufgepeppt und hat sogar nicht allzu schlecht geschmeckt. Als meine Gemüsebrühe für die Ramen-Noodles zu Ende ging haben wir dann Tomatenmark gekauft (gibt es leider nur in der Dose…), diese doppelt und dreifach in Ziplock-Tüten gefüllt und verpackt und zusammen mit etwas Kräutergewürzmischung für Tomatensoße hatten wir im Nu Hiker-Spaghetti kreiert. Hat sogar ganz gut geschmeckt. Was war das für ein Fest, als wir sogar einmal Portionstütchen mit Chilipulver und Parmesan hatten! Kurzzeitig hat sich Andreas zum Würzen eine Flasche Tabasco gegönnt, war aber eigentlich zu schwer dafür, dass es nur alle paar Tage mal an die Ramen-Nudeln hin gekommen ist. Das war dann auch ein Fall für die Hikerbox.

Summa summarum kann ich sagen, dass ich es mir schlimmer vorgestellt habe, immer das Gleiche zu essen. Vor allem, wenn man eine gute Küche mit frischen Zutaten gewöhnt ist. Aber wie heißt es so schön: Hunger ist der beste Koch.

Hikerhunger!
Hikerhunger!

Überflüssiges

Nachdem ich ja schon über meine Favoriten berichtet habe, will ich nun auch über die Dinge berichten, welche ihren Weg in die Hikerbox gefunden haben, bzw. aufgebraucht aber nicht nachgekauft wurden.

  • Zucker: Ich hatte vor unserer Abreise etwas Zucker in einen leeren Tic-Tac Behälter abgefüllt. Gedacht war er für Tee und Porridge/Quaker. Tee haben wir so gut wie gar nicht getrunken, was mitunter an den veränderten Vorlieben lag, als auch an der Tatsache, das selbst der beste Schwarztee aus einem Plastikbecher recht bescheiden schmeckt. Gerade als es noch kälter war haben wir dann lieber Kakao (Swissmiss) getrunken und hier war ein süßen nicht nötig, genauso wenig musste beim Quaker- Porridge nachgesüßt werden.
  • Molkepulver: Nein, nicht das schnöde Milchpulver sondern das um einiges vitaminhaltigere Molkepulver. Aus diesem Zweck mitgenommen, aber nach knapp zwei Monaten dann auch in der Hikerbox gelandet, da wir schlicht und einfach manchmal morgens zu faul waren, unser Frühstück noch zu verfeinern und es war auch jedes mal ein rechtes Gestaube, den Zip-Behälter wieder sauber zu schließen. Dann lieber doch vermehrt Vitamine in Tabletten-Form…
  • Deo: Oft genug gelesen, dass man sich das Gewicht sparen kann, aber der innere Spießbürger hat sich in der Stadt nach einer Dusche einfach besser gefühlt. Spätestens am zweiten Tag war der Effekt eh dahin und irgendwann steht man dann auch drüber, dass man eben nicht frühlingswiesenfrisch riecht. Man ächzt und schwitzt sich tagelang Berge rauf und runter, da hat einfach die Befriedigung der Grundbedürfnisse Vorrang. Wieder ein paar Gramm gespart. Und dank Merinowolle war es auch wirklich nicht ganz so schlimm, wie mit diesen Synthetik-Shirts.
  • Creme: Same here. Vor lauter Schweiß bei gleichzeitiger mangelnder Körperwäsche kümmert sich der Körper schon um sich selbst. Froh war ich aber trotzdem um meine kleine Dose Nivea Soft, als ich mir blöderweise auf den Schultern einen Sonnenbrand geholt habe. Das ist mir aber dann auch kein zweites Mal mehr passiert. Und das, wo ich doch immer für ausreichenden Sonnenschutz plädiere…
  • 3. Paar „Backup“ Socken: Ein zweites Paar trockener Socken ist wirklich ein Segen, wenn man das Vergnügen hat, tagelang im Regen und auf überfluteten Wegen unterwegs zu sein. Die Socken wurden mit anderen Dingen (u.a. einem Kameraakku) zurück nach Deutschland geschickt und wurden, nachdem sie via Florida das Land verlassen haben nie wieder gesehen. Verdammt, das nächste Mal wird doch wieder versichert versendet.
  • Zweiter Trinkbecher: Ein Topf und ein Becher haben uns morgens völlig gereicht, der Becher hat auch seine Reise ins Post-Nirvana angetreten.
  • Zündstahl: War als Backup gedacht, falls das Mini-Bic Feuerzeug mal versagen sollte, was aber nie eingetreten ist. Wir haben dann lieber ein zweites kleines Feuerzeug gekauft und den Zündstahl in die Hikerbox gegeben. Ein Zündstahl ist einfach zu schwer. Und sind wir mal ehrlich, selbst wenn alle Stricke reißen, ist man in den allerwenigsten Fällen ganz alleine und irgendjemand im Camp wird sicher gerne aushelfen.
  • Therm-A-Rest Couple Kit: Meine Nerven! War immer ein Gefummel und letztendlich hat es seinen Job nicht erfüllt (die Gurte waren aus einem recht rutschigen Material). Klarer Fall für die Hikerbox. Da unser Zelt eh recht schmal geschnitten ist, sind wir auch nie soweit voneinander weg gerutscht, dass das beim Kuscheln gestört hätte. Dann haben wir unsere Schlafsäcke halt nicht miteinander verbunden. Wir waren abends meistens eh so fix und fertig, dass wir recht schnell eingeschlafen sind.

Habe ich auch nichts vergessen? Was nehmt ihr nicht mehr mit auf Tour?
Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche mit Bildern aus den Grayson Highlands!

Everyday Life – here we are again

Der Alltag hat uns wieder und wir endlich eine stehende Internetverbindung in unserem Übergangszuhause. Blogeinträge am Laptop zu verfassen ist einfach so viel besser als dieses ewige rumgefummel auf einem Minibildschirm.

Seit dem 16. August sind wir wieder in Deutschland, nachdem wir das Visum für Amerika noch für einen Roadtrip genutzt hatten und anschließend vier tolle Wochen zuhause in Italien verbringen konnten. Andreas hatte schließlich noch bis zum 1. Oktober frei. So langsam aber sicher sind alle Bilder gesichtet und bearbeitet und ein Entwurf für die kommenden Einträge steht. Ich habe ja noch einiges aufzuarbeiten was den Hiking-Alltag und das Equipment anbelangt.
Außerdem haben wir die letzten Wochen damit zugebracht, eine neue Wohnung zu suchen (ab dem 1. November wir umgezogen, ich freue mich jetzt schon. Nicht.) und unser neues, fiteres ‚Ich‘ auf Vordermann zu bringen. Somit werden jetzt spätestens jeden zweiten Tag die Laufschuhe geschnürt. Ich frage mich jetzt noch, was mich da als bekennende Lauf-Verachterin geritten hat, aber so langsam stellen sie erste Fortschritte ein und es ist nicht mehr ganz so mühsam.
Es stehen bereits Pläne für Wanderungen im nächsten Jahr und ich kann es bereits jetzt kaum erwarten. Bevor wir die Entscheidung trafen, auf den AT zu gehen habe ich es mir schwer vorstellen können, nur mit dem Nötigsten auszukommen und bei so vielen Punkten Abstriche zu machen. Aber ich bin auf den Geschmack gekommen und trotz der Strapazen war es doch eine tolle Zeit.
Wie sieht es bei euch da draußen aus? Bereitet ihr euch schon auf eine anstehende Wanderung für nächstes Jahr vor? Oder habt ihr konkrete Pläne für die nächsten Jahre?

Mit zwei wunderschönen Bildern von Clingman’s Dome verabschiede ich mich vorzeitig ins bevorstehende Wochenende! Eure Carina aka Acorn

Off the Trail

Bereits seit Wochen war uns klar, dass wir es in der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht bis Katahdin schaffen werden, da für uns nach 15 Meilen hiken am Tag bereits Schluss war und ab Meile 13 habe ich bereits jeden Fehltritt bis hoch ins Knie gespürt. Täglich IBU nehmen war keine Option. Andreas ging es da nicht viel besser und die damit einher gehenden Zeros haben unser Vorankommen auch ausgebremst. Wir hatten deshalb schon überlegt, nur bis Harpers Ferry zu laufen und die Zeit in Amerika noch anders zu nutzen. Und dann hat ein Magen-Darm-Virus Andreas total aus der Bahn geworfen. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni war an Schlaf nicht zu denken und am nächsten Morgen ging es Andreas sehr schlecht. Zum Glück stand wegen einem Resupply in Daleville nur ein 9 Meilen-Tag auf dem Plan. Somit habe ich mir alles was ging in und auf den Rucksack gepackt und geschnallt um Andreas zu entlasten und los ging es im Schneckentempo. Aber bereits nach 1,5 Meilen und 5 Pausen war klar, dass er in seinem Zustand nicht ohne Hilfe vom Berg runter kommt. Also haben wir einen Notruf abgesetzt und konnten dank meiner Outdoor-Kamera unsere exakten Koordinaten angeben (zum Glück hatten wir Empfang!). Endlich hat Andreas auch die Elektrolyt-Lösung bei sich behalten und nachdem er von den Ersthelfern noch einen Liter Kochsalzlösung bekommen hat, ging es einen ca. 1,5 Meilen langen Sidetrail mit vielen Pausen runter vom Trail. Andreas ging es zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht viel besser, aber immerhin musste er seinen Rucksack nicht mehr selbst tragen, Ersthelfern sei Dank. Auf dem Weg ins und im Krankenhaus gab es dann noch jeweils einen Liter Kochsalzlösung und langsam hat Andreas wieder Farbe ins Gesicht bekommen. Trotz aller Tests konnten die Ärzte nicht genau sagen, ob es ein Virus war oder durch Bakterien verursacht wurde und ob ich dank eines stabileren Immunsystem verschont geblieben bin oder ob es mich auch noch ereilen würde. Natürlich war die erste Frage immer, ob wir unser Wasser behandeln… Gegen 9 Uhr abends sind wir dann endlich im Motel angekommen und im Bett gelegen. Zum Glück war in dem Motel nicht viel los und so konnten wir unseren Aufenthalt nach Bedarf verlängern. Nach drei Tagen konnte Andreas dann endlich wieder normal essen, aber nach fünf Tagen hat ihn selbst ein Einkauf im Supermarkt noch so angestrengt, dass wir schweren Herzens beschlossen haben, dass der Hike für uns vorbei ist.
Schon merkwürdig, kaum beschließen wir den Hike zu verkürzen und dann kommt es gleich noch einmal ganz anders.
Ich bedauere es sehr, dass aus dem Thru-Hike nichts geworden ist, aber es ist nun einmal wie es ist. Ich habe so viel erlebt, gelernt und vor allem so viele tolle Menschen getroffen, davon werde ich hoffentlich noch lange zehren. Und die Reise war damit ja noch nicht zu Ende. Ich habe auf jeden Fall noch einige Entwürfe in der Schublade und viele viele Bilder, darum geht es hier auf dem Blog auf jeden Fall noch weiter.
Gibt es Themen rund um den Trail, die euch besonders interessieren? Wenn ja, lasst es mich wissen.
Bis bald, jetzt geht es für uns erst einmal wieder nach Hause.

Equipment Zwischenstand

Nun sind wir mehr als 60 Tage auf dem Trail unterwegs und wir konnten unser Equipment, mit welchem wir gestartet sind auf Herz und Nieren prüfen. Vieles ist wirklich Gold wert, einiges ist sicher  verzichtbar und wiederum anderes hat seinen Weg bereits aus dem Rucksack gefunden. Unabhängig davon kann ich aber sagen: es ist ein hartes Stück Arbeit. In erster Linie körperlich, dann mental und zuletzt spirituell. Von spirituell sind wir noch ganz weit entfernt, da wir die meiste Zeit damit beschäftigt sind einen Fuß vor den anderen zu setzen ohne andauernd zu stolpern und unsere Meilenanzahl zu erhöhen, was immer noch gar nicht so leicht ist. Kondition und sportlichkeit scheint uns nicht mit in die Wiege gelegt worden zu sein… Wir werden sehen, wie sich das noch entwickelt, vielleicht habe ich ja in Zukunft endlich abends genug Energie übrig, um wieder regelmäßig zu schreiben.
Nun aber wie versprochen die Gegenstände, welche ich auf keinen Fall missen möchte:
Regenschirm: Auch wenn das Wandern mit Schirm gewöhnungsbedürftig ist und an manchen Stellen auf dem Trail sogar hinderlich sein kann, hat er uns bisher bestmöglich trocken gehalten. Während andere in ihrer Regenkleidung ins Schwitzen kamen und nach einem Tag starkem Dauerregen in den Smokies entdecken müssen, wo die Schwachstellen in ihrer Kleidung sind, wurden wir gerade einmal an den Armen oder Beinen nass (bzw. hatten wie alle anderen auch Pfützen in den Schuhen…). Und was das wichtigste dabei war: Wir sind nicht ausgekühlt und mussten uns nicht verzweifelt um ein Minifeuer aufwärmen!
Raincover: Trotz Regenschirm haben wir immer noch das Raincover auf unseren Rucksack aufgezogen, da sonst die untere Hälfte früher oder später doch nass geworden wäre. Außerdem müssen wir unsere Rucksäcke immer in das Vorzelt legen und durch das Cover ziehen wir sie nicht durch den Dreck bzw. sie bleiben bei einem unerwarteten Regenschauer in der Nacht trocken.
Wasserfilter: Der Platypus Gravityworks hält genau, was er verspricht. Beutel mit Wasser befüllen, an Hoser oder Flasche anschließen und die Schwerkraft den Rest erledigen lassen. Das System ist leider etwas sperrig, aber ich will jetzt mal nicht meckern.
MSR Sandhering: Auch bekannt als der kleine Bruder des Klappspaten… Wir machen einen großen Bogen um die Privies und der Hering war uns bisher dabei eine große Hilfe. Während Andreas auch schon mal auf Stöcke zum Loch buddeln zurück gegriffen hat, ist das für mich keine Alternative. Dauert mir zu lange und die Hälfte der herum liegenden Stöcke ist meist eh morsch…
Feuchttücher: Gut, ist jetzt streng genommen kein Equipment, aber seit Wochen immer in unserem Rucksack. Sie ersetzen definitiv kein Wasser, aber für die Katzenwäsche am Abend reicht es alle mal. Auch wenn danach kein Wohlgefühl wie nach einer Dusche aufkommt kriecht man auf alle Fälle mit einem besseren Gefühl in den Schlafsack.

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Was hat sich bei euch so auf Wanderungen als unverzichtbar heraus gestellt oder was habt ihr vermisst? Demnächst schreibe ich dann über die Gegenstände, welche ihren Weg bereits aus dem Rucksack gefunden haben. Bis bald!
Eure Carina aka Acorn

Status Quo

Hallo zusammen! Lange habe ich hier nichts gepostet, ich weiß. Aber ich habe festgestellt, dass das Tippen auf dem Handy mich jede Menge Zeit (und wertvollen Strom!) kostet. Und abends sind Andreas und ich meist ganz schön müde. Die viele ungewohnte Bewegung, die viele frische Luft, die vielen Eindrücke… Mittlerweile haben wir 200 Meilen geschafft und haben gestern den Meilenstein Clingmans Dome hinter uns gelassen. Wir gehören leider immer noch zu den langsamen Hikern, die meisten haben uns weit hinter sich zurück gelassen. So langsam aber sicher müssen wir unsre Leistung steigern, bei diesem Tempo schaffen wir es sonst nicht in den 6 Monaten. Wenn ihr uns weiterhin begleiten und einige Impressionen vom Trail haben wollt, schaut doch auf unseren Instagram-Accounts ‚carinadeh‘ und ‚Dean Backers vorbei. Das ist eine schnelle und simple Art der Kommunikation für uns unterwegs geworden. Liebe Grüße an alle Leser, in wenigen Stunden geht es schon wieder weiter und wir hoffen, am Dienstag den Great Smoky Mountains National Park hinter uns zu lassen.

The next 6 months…

…without:

Family; home; chatting with friends on the phone for over an hour; sleeping in your bed with that cuddly feather blanket; mother’s ‚Spätzle mit Soße‘ and potato salad; dad’s Spaghetti; wearing jeans; wearing cotton at all; Laptop; your own restroom; pillow; bunny Joey; comfy sofa; TV; driving your own car; putting on make-up in the morning; temperature control; daily fruit and vegetables; going to the refrigerator; mailbox; ‚Apfelsaftschorle‘; watering the plants; dishwasher; cleaning the apartment; summer vacation on the beach with my family in Italy; my aunt’s italian cuisine; walking barefoot all day long; toothbrush cup; bicycling; purse; wardrobe; alarm clock; working from 9 to 6; strict schedules

…with:

new Trail friends; nature (abundant!); blisters; ibuprofen; 1 spoon, 1 cup, 1 pot; dirty clothes; interesting conversations with strangers; time for thinking; sleeping bag; rising with the sun; sleeping by 9 in the evening; trail-legs; birds; mountains; fresh river water; junk food; weight loss; Nutella and peanut butter all you can eat every day; wearing our stinky, grimy clothes 5 days in a row; millions of chances for extraordinary photos

Foto Equipment Teil 2

Equipment_Kameratechnik

In meinem (Andreas) zweitem Gastbeitrag möchte ich euch gerne meine Entscheidungen zum Zubehör zur Fuji X100S erläutern.

1. Stativ: Joby Gorillapod (für Kameras bis 1.000 g)

Der Gorillapos ist durch seinen flexiblen Arme sehr praktisch an Ästen o.ä. zu befestigen und mit einem Gewicht von 191 g sehr leicht. Auf ein Stativ auf dem Appalachian Trail (AT) zu verzichten, kommt nicht in Frage, da gute Panoramas und Sternenhimmelaufnahmen nicht ohne ein Stativ zu realisieren sind. Die Version für Kameras bis 3.000 g wiegt übrigens knapp unter 400 g.

2. Kabelauslöser (Org. von Fuji)

Der passende Kabelauslöser von Fuji wird für Langzeitaufnahmen (z.B. Nachthimmel) benötigt. Ohne Kabelauslöser ist eine längere Belichtungszeit als 60 s nicht möglich.

3. Speicherkarten: SanDisk 32GB Extreme Pro + Transcend 64 GB (80MB/s)

Mit einer Speichergeschwindigkeit von ca. 90 MB/s lesen und ca. 50 MB/s schreiben funktionieren Serienaufnahmen und Nachtaufnahmen mit der Fuji X100S deutlich schneller, da die RAW-Aufnahmen Größen von in der Regel über 30 MB haben. Ich hatte zuvor nur „normale“ SD-Karten mit 45 MB/s, bei denen die Fuji X100S ernsthaft mehrere Minuten bei Nachtaufnahmen gebraucht hat um wieder einsatzfähig zu sein. Mit der „Extrem Pro“ kein Problem mehr! Hier ist die schnelle Karte wirklich ein enormer Zugewinn. Für den Rest reicht auch die Transcend 64 GB aus.

4. Ersatzakkus: Bundlestar Patona

Ich nehme insgesamt vier Akkus von Patona mit, die nach meiner bisherigen Erfahrung nahe an die Leistung des Original Fuji Akkus herankommen. Für den halben Preis!

5. Mobile Speicherlösung

Die Sicherung der Bilder unterwegs soll mit einem 7 in 1 USB-Adapter und Card-Reader CSL – 7in1 externer USB 2.0 OTG Cardreader (Kartenleser) / USB 2.0 HUB | 7in1 Multi-Adapter | 3 x USB 2.0 Ports | SD, SGHC, microSD, Memory Stick (MS) über mein Android Handy von Sony erfolgen. Das Handy ist USB on the go (otg) fähig , so dass man den Kartenleser daran anschließen kann. An den Kartenleser kann man einen (bis zu drei) USB-Sticks (ich habe 3x 64GB von SanDisk mit einem Gewicht von nur je 9 g) und die zu sichernde SD-Karte anschließen. Mittels einer geeigneten App (z.B. Nexus Media Importer) können mittels Smartphone dann die Bilder von der SD-Karte auf die USB-Sticks gesichert werden.

Wirklich die leichteste Lösung, wobei ich zugeben muss, dass die USB otg Funktion (Erkennung der Verbindung) auf dem Smartphone nicht immer zuverlässig funktioniert, so dass oft mehrere Anschlussversuche erforderlich sind. Das USB otg funktioniert so weit ich weiß auch nur auf Android Smartphones, weder iPhone noch Windowsphones bieten diese Möglichkeit.

6. Tragegurt

Noch benutze ich den originalen Gurt von Fuji, der allerdings nicht besonders praktisch ist. In den USA finde ich vielleicht einen Lance Camera Strap oder vergleichbaren Gurt, die ich sehr praktisch finde, mir aber in Deutschland schlicht zu teuer sind (nur aus den USA + Zoll!).

7. Tasche von Lowepro

Leicht, schlicht, am Gürtel zu befestigen. Wird evtl. in den USA durch eine praktischere Neoprentasche ersetzt.

Foto Equipment Teil 1

Kamera_Blog-1Heute gibt es meinen (Andreas) ersten Gastbeitrag zur Fotoausrüstung für den Appalachian Trail (AT), wobei ich zunächst meine Wahl zur Kamera erläutern möchte.

Als langjähriger Hobbyfotograf habe ich mit den Jahren einen gewissen Anspruch an die Bildqualität der Fotos entwickelt, die auch auf dem AT nicht zu kurz kommen sollte. Da man eine so lange Wanderung mit unzähligen Chancen für Spitzenfotos ja nicht jeden Tag unternimmt, sollten die einzigartigen Aufnahmen auch auf jeden Fall meinen Ansprüchen an die Bildqualität genügen.

Daher kommt schnell die Abwägung zwischen Bildqualität und Gewicht des gesamten Foto Equipments auf. Meine bisherige Kamera war eine Canon EOS 600D (mit 572 g inkl. Kit-Objektiv kein Schwergewicht) mit bis dahin drei Objektiven, darunter auch das sehr gute Canon EF 85mm/1.8, das aber allein ein Gewicht von 426 g auf die Waage bringt. Es musste für den Trail daher ein sehr gutes Allround-Objektiv her, das wegen der geforderten Bildqualität zwangsläufig aus Glas war (mit entsprechendem Gewicht), aber eventuell auch mit den Abstrichen an der Bildqualität eines jeden Zoom-Objektivs. Von der Brennweite her kommt jedoch auf dem AT voraussichtlich meistens nur Weitwinkel zum Einsatz, so dass die Tele-Brennweiten meiner Ansicht nach vernachlässigt werden können. Mit einem Weitwinkel-Objektiv kann man auch passable Nahaufnahmen von Flora und Fauna machen (außer von Klapperschlangen und Schwarzbären, denen man nicht zu nahe kommen sollte ;), wenn einem die Verzerrung nicht so viel ausmacht (und Photoshop kann im Nachgang hier einiges verbessern). Aber ein (Festbrenn-) Weitwinkel-Objektiv mit ausreichender Qualität war eigentlich nicht zu bekommen, wenn die Bildqualität mit dem Gewicht noch tragbar sein sollte. Mit dem Preis für die Weitwinkel-Zoom-Objektive und dem Gewichtsfaktor überwogen die Nachteile für einen Marsch wie den AT und ich entschloss mich auf das Wesentliche zu reduzieren: Fotografieren!

Nach langer Recherche und ewigem Vergleichen der Bildqualität im Netz, entschied ich mich schließlich die ganze Canon Ausrüstung zu verkaufen und auf die Fuji X100S umzusteigen, was preislich fast ein 1:1 Tausch war, denn die Fuji ist nicht ganz billig. Die Fuji X100S hat für eine (noch) „Kompakte“ aber eine hervorragende Bildqualität, weit besser als meine Canon EOS 600D und kann sogar fast mit einer Canon EOS 5D MarkIII mithalten. Einziger wirklicher „Nachteil“ ist, dass ich nur eine Brennweite von 35mm (umgerechnet ins Kleinbildformat) habe, die aber für den Trail wahrscheinlich die ideale Brennweite ist. Da heißt es ohnehin Füße einsetzen!

Klarer Vorteil ist: nur eine Kamera zu haben, die alle Einstellungsmöglichkeiten in handlichen Knöpfen an der Kamera selbst bietet. Wer einmal eine DSLR von der Bedienung her gewöhnt ist, möchte wahrscheinlich nie wieder auf eine umständlich Menü-Einstellung zurück, daher kam eine „normale“ Kompakte überhaupt nicht in Frage. Ich habe mir die Sony DSC-RX 100 (Vorteil 3,6-fach Zoom), die auch sehr gute Bilder macht, zwar angesehen, aber an die Bildqualität der Fuji X100S kommt sie bei Weitem nicht heran und sie lag mir auch nicht richtig in der Hand, da sie mir schlichtweg zu klein ist. Da habe schon gern „etwas mehr in der Hand“, wie bei der Fuji X100S.

Weiterer Vorteil der Fuji X100S: Kein nerviger Objektiv-Wechsel, kein Hintergedanke im Kopf, dass das Objektiv „XY“ vielleicht doch praktischer wäre oder ein bisschen bessere Bilder liefern könnte. 2013 war ich mit meiner Canon EOS 600D und zwei weiteren Objektiven in den Schottischen Highlands unterwegs und habe ziemlich schnell gemerkt, dass bei langen Wanderungen gerade der Objektivwechsel äußerst nervig ist und ich manchmal deshalb auch kein Bild gemacht habe. Ganz zu schweigen von dem Gewicht und Volumen, das man da mit sich herum schleppt.

Die Entscheidung war also gefallen. Die Fuji X100S mit einem Gewicht von etwas über 500 g (inkl. Gurt und Tasche) wird mich auf dem AT begleiten und hoffentlich schöne, aber auf jeden Fall technisch hoch qualitative Bilder liefern. Und sie sieht mit ihrem Leica-Look dazu noch unverschämt gut aus.

Im nächsten Gastbeitrag erläutere ich meine Entscheidungen zum Zubehör für die Fuji X100S und meine Technik zur Low-Weight-Sicherung der Bilder auf dem Trail.