Off the Trail

Bereits seit Wochen war uns klar, dass wir es in der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht bis Katahdin schaffen werden, da für uns nach 15 Meilen hiken am Tag bereits Schluss war und ab Meile 13 habe ich bereits jeden Fehltritt bis hoch ins Knie gespürt. Täglich IBU nehmen war keine Option. Andreas ging es da nicht viel besser und die damit einher gehenden Zeros haben unser Vorankommen auch ausgebremst. Wir hatten deshalb schon überlegt, nur bis Harpers Ferry zu laufen und die Zeit in Amerika noch anders zu nutzen. Und dann hat ein Magen-Darm-Virus Andreas total aus der Bahn geworfen. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni war an Schlaf nicht zu denken und am nächsten Morgen ging es Andreas sehr schlecht. Zum Glück stand wegen einem Resupply in Daleville nur ein 9 Meilen-Tag auf dem Plan. Somit habe ich mir alles was ging in und auf den Rucksack gepackt und geschnallt um Andreas zu entlasten und los ging es im Schneckentempo. Aber bereits nach 1,5 Meilen und 5 Pausen war klar, dass er in seinem Zustand nicht ohne Hilfe vom Berg runter kommt. Also haben wir einen Notruf abgesetzt und konnten dank meiner Outdoor-Kamera unsere exakten Koordinaten angeben (zum Glück hatten wir Empfang!). Endlich hat Andreas auch die Elektrolyt-Lösung bei sich behalten und nachdem er von den Ersthelfern noch einen Liter Kochsalzlösung bekommen hat, ging es einen ca. 1,5 Meilen langen Sidetrail mit vielen Pausen runter vom Trail. Andreas ging es zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht viel besser, aber immerhin musste er seinen Rucksack nicht mehr selbst tragen, Ersthelfern sei Dank. Auf dem Weg ins und im Krankenhaus gab es dann noch jeweils einen Liter Kochsalzlösung und langsam hat Andreas wieder Farbe ins Gesicht bekommen. Trotz aller Tests konnten die Ärzte nicht genau sagen, ob es ein Virus war oder durch Bakterien verursacht wurde und ob ich dank eines stabileren Immunsystem verschont geblieben bin oder ob es mich auch noch ereilen würde. Natürlich war die erste Frage immer, ob wir unser Wasser behandeln… Gegen 9 Uhr abends sind wir dann endlich im Motel angekommen und im Bett gelegen. Zum Glück war in dem Motel nicht viel los und so konnten wir unseren Aufenthalt nach Bedarf verlängern. Nach drei Tagen konnte Andreas dann endlich wieder normal essen, aber nach fünf Tagen hat ihn selbst ein Einkauf im Supermarkt noch so angestrengt, dass wir schweren Herzens beschlossen haben, dass der Hike für uns vorbei ist.
Schon merkwürdig, kaum beschließen wir den Hike zu verkürzen und dann kommt es gleich noch einmal ganz anders.
Ich bedauere es sehr, dass aus dem Thru-Hike nichts geworden ist, aber es ist nun einmal wie es ist. Ich habe so viel erlebt, gelernt und vor allem so viele tolle Menschen getroffen, davon werde ich hoffentlich noch lange zehren. Und die Reise war damit ja noch nicht zu Ende. Ich habe auf jeden Fall noch einige Entwürfe in der Schublade und viele viele Bilder, darum geht es hier auf dem Blog auf jeden Fall noch weiter.
Gibt es Themen rund um den Trail, die euch besonders interessieren? Wenn ja, lasst es mich wissen.
Bis bald, jetzt geht es für uns erst einmal wieder nach Hause.

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2 Kommentare zu „Off the Trail

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  1. Es tut mir leid, dass Ihr so unliebsam vom Trail geholt wurdet. Gut, dass es Andreas besser geht. Den Trail gibt es noch lange. Vielleicht macht Ihr einfach irgendwann da weiter, wo Ihr augehört habt. Und wie Du schon sagt, die Erlebnisse kann Euch keiner nehmen. Alles Gute, Kerstin

    1. Am Anfang war es schon sehr komisch, so plötzlich vom Trail weg zu sein. Wir hatten ja keinen offiziellen Abschied von ihm, der Hike war ja von einem Moment auf den anderen rum. Aber es ist nun einmal wie es ist und wer weiß was die Zukunft bringt, wie du ja auch schon richtig schreibst. Allerdings fällt es mir momentan noch etwas schwer, den Fortschritt der anderen Hiker zu verfolgen, aber das wird bestimmt auch noch. Und bekanntlich ist ja auch der Weg das Ziel, das bestätigt sich für mich immer wieder. Alles Liebe, Carina

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