Let’s talk about – Hygiene

Hygiene auf dem Trail. Was ist das? Im Grunde nicht vorhanden. Oder doch? Wenn man 50 Mitmenschen befragen würde, kämen sicher 50 Ansichten und Erklärungen dabei heraus. Und was uns als unsauber und unhygienisch erscheint, ist auf einem Fernwanderweg abseits von Alpenhütte und Co. schlichtweg normal. Und wer zart besaitet ist liest am besten gar nicht erst weiter…

5 Tage ohne Dusche. Erklärt sich von selber. 5 Tage ohne waschen. Schon eher nicht. Schnell sind gut gemeinte Ratschläge parat wie „Ja, aber ihr habt ja Wasser dabei und an Flüssen kommt ihr doch auch vorbei“. Stimmt, aber mühsam gefiltertes Trinkwasser, welches in den warmen Sommermonaten mit sinkenden Wasserquellen immer kostbarer wird, kommt da höchstens noch zum Zähne putzen an den Körper.

Und an Flüssen baden, im kalten März? Eher nicht. Höchstens vielleicht ein paar Spritzer um wach zu werden ins Gesicht. Außerdem wird aus Gründen zur Erhaltung der Wasserqualität von Bädern in Gewässern abgeraten. Und nicht vergessen: Alleine ist man auf dem AT seltenst…. Alternative: zeitig ins Camp einlaufen und die Wäsche kräftig lüften. Hilft aber auch nicht wirklich gegen Gerüche.


Was habe ich mir im Vorfeld Gedanken über Körperpflege gemacht aber nach und nach habe ich einfach der Einfachheit halber und aus Gewichtsgründen nachgegeben (da möchte ich gerne auf den Artikel „Überflüssiges“ verweisen). Nur eines hatten wir immer und ausreichend dabei: Händedesinfektion, Klopapier und Feuchttücher.
Auch wenn nichts eine schöne Dusche ersetzt, fühlt es sich dennoch nicht schlecht an, wenn man abends ins Zelt kriecht und etwas Katzenwäsche betreibt um den Schweiß des Tages abzuwischen. Denn getrockneter Schweiß kann auch zu Hautreizungen führen.
Ein weiterer Punkt, welcher mir bis zum Schluss in Amerika Bedenken bereitet hat war das Wäsche waschen. Ich wusste im Voraus schon, dass die Waschmaschinen in keinster Weise mit den deutschen Modellen mithalten können und es auch lediglich nur 3 Programme gibt: kalt, lau, und heiß. Und das Ganze aber bei einem recht großen Fassungsvermögen. Nun bin ich (und sicher auch die meisten Leser da draußen) es gewöhnt, meine Wäsche zu sortieren. Das heißt, ich käme nie auf den Gedanken, meine Unterhosen zusammen mit meinen
Merino-Shirts zu waschen. Aber was tun, wenn Kleingeld für den Waschsalon rar ist und der gesamte Wäschebestand bei weitem keine Wäscheladung füllt? Wegen zwei Unterhosen und zwei Paar Socken extra waschen? Eher nicht. Auch wenn andere Hiker einfach alles zusammen geschmissen haben, haben wir doch zumindest Unterhose und Co. vorab mit der Hand ausgewaschen. Besonders schön sah das Waschwasser der Socken dann im Sommer aus, als die Wege trocken und staubig wurden. Ich habe das einmal fotografisch festgehalten. Und bitte immer dran denken: ich hätte mich auch geekelt, wenns nicht meins gewesen wäre ;).

Und diese Brühe hätte es in der Waschmaschine dann auch durch mein Shirt und mein Bandana gespült? Nein danke….
Es soll auch Hiker geben, welche komplett auf Unterwäsche verzichten aus Gründen wie: Gewichtsersparnis, Vermeidung von Chaffing (wundscheuern durch Nähte etc.) aber ganz ehrlich, ich wasche lieber im Falle eines Falles eine Unterhose schnell mit der Hand aus als eine ganze Hose. Denn glaubt mir, spätestens am dritten Tag stinkt man wie noch nie zuvor in seinem Leben (und vermutlich danach auch nicht so schnell wieder). Das sind dann auch ganz schnell die Momente, dass man sich fragt, warum man das gleich wieder macht. Da muss man seinen Partner schon sehr lieben, wenn man ungewaschen und ein Penneraroma verbreitend eng beieinander im Zelt liegt. Andreas hat seinen Rucksack auch irgendwann nur noch liebevoll den Hobo (englisch für Landstreicher) genannt, denn auch alles um einen herum fängt zu riechen an: die Griffe der Trekkingpoles, sämtliche Gurte des Rucksacks, die Kameratasche… Und selbst wenn du den Rucksack mit in die Dusche nimmst, den Geruch kriegst du nie wieder ganz raus.
Der „Duft“ oder besser gesagt der Gestank war auch der Grund, warum unsere Wanderschuhe, obwohl durchaus noch tragbar, die Heimreise mit uns nicht mehr angetreten haben. Oder auch Andreas‘ Wandersocken. Da hat alles Waschen nichts mehr geholfen.
Ein interessantes Phänomen hat sich aber mit der Zeit eingestellt: wir konnten Tagesausflügler Kilometer gegen den Wind riechen. Einmal dachten wir, dass eine besondere Pflanze oder ein Busch blühen muss, da wir entlang des Weges immer wieder einen ganz wundervollen Geruch wahrgenommen haben. Einige Zeit später haben wir dann auch die Quelle dessen wahr genommen: zwei rastende Wanderer am Wegesrand, welche schlicht und ergreifend frisch gewaschen und gecremt waren, saubere Kleidung trugen und uns einfach ein gutes Stück voraus waren. Wir liefen sozusagen in deren Duftschatten. Ich hatte auch immer das Bedürfnis, entgegenkommenden Wanderern mitzuteilen, wie gut sie doch riechen. Ich war ja noch nie ein Freund von stark parfümierten Weichspüler und penetranten Parfums, aber seit wir aus Amerika zurück sind, hat sich das sogar noch verstärkt.
Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja. Das für uns zivilisierte Mitteleuropäer vermutlich vorstellbar Schrecklichste. Ohne eine hygienisch saubere Toilette auf die „Toilette“ gehen. Ich hätte mich vermutlich noch im Februar 2015 lauthals ausgelacht, wenn mir jemand gesagt hätte, ich würde es vorziehen, die große weite Natur aufzusuchen, als ein Privy. Alleine der Gedanke, da so „ungeschützt“ mitten im Wald die Hose runter zu lassen… Also nein, das hat mich im Vorfeld wirklich stark beschäftigt. Und dann ist man auf dem AT, macht Bekanntschaft mit den ersten Latrinen und was soll ich sagen, als (insbesondere kleine) Frau ist man es ja gewohnt, die unmöglichsten Verrenkungen zu machen, nur um keinerlei Kontakt zum versifften Abort zu bekommen. Auch wenn aus Sicht der „leave no trace“ Politik auf dem Wanderweg die Benutzung der Privies wann immer möglich empfohlen wird, ist das wilde in die Natur machen zehn mal mehr entspannter, sobald man sich einmal daran gewöhnt hat. Keine hygienisch fragwürdigen (Tür-) Griffe oder Oberflächen um sich herum und das dringende Bedürfnis, sich doppelt und dreifach die Hände desinfizieren zu müssen. Vorher und nachher… .
Gelernt habe ich auf jeden Fall, dass egal was du dir in Gedanken ausmalst, und ja, auch wenn du deine Körperhygiene betreffend an deine Grenzen stößt: Alles halb so wild. Das Leben geht weiter und die anderen Hiker haben die gleichen Probleme. Man ist immer noch die selbe Person, nur dass man sich nicht hinter schicker Kleidung, einem guten Parfum und Make-up verstecken kann.

Pro Tipp zum Schluss: Merinowolle macht wirklich den Unterschied.

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2 Kommentare zu „Let’s talk about – Hygiene

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  1. Das mit dem „müssen“ im Freien kann ich absolut nachempfinden. Ich genieße dann immer die Aussicht und freue mich, welch schöne Toiletten die Natur doch zu bieten hat,-)
    Und: Ganz klar Merino. Ohne gehe ich nicht mehr auf Tour.
    Liebe Grüße, Kerstin

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